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Der historische Sportverein

Die Sportvereine sind eine typische deutsche Institution. Turnvater Jahn begründete zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1811) auf der Hasenheide in Berlin mit Schülern, Studenten und Handwerkern das „Turnen": Dabei setzte man auf Turnen an Geräten, aber auch Laufen, Springen, Werfen, Klettern und Spiele waren angesagt. Turnvereine gab es damals noch keine. Die Grundstruktur der heutigen Vereine war jedoch schon sichtbar. Die ersten Turnvereine wurden ab 1816 gegründet.

Der MTV Riede wurde am 01.10.1910 gegründet.

Die Gründung erfolgte durch 25 turnbegeisterte Männer in der Gastwirtschaft „Randerman" - später Iden. Wie der Name MTV (Männerturnverein) schon besagt: Die Turnbewegung wurde vor allem von Männern getragen.

Frauen und Kinder waren zur damaligen Zeit im Turnverein nicht zugelassen. Auch war es zu dieser Zeit üblich, dass im Turnverein nur die Mitglieder aufgenommen wurden, die  auch die Schule beendet hatten. Aber das änderte sich um 1920, als zum ersten Mal Frauen in der Mitgliederliste unseres Vereins erschienen.

Turnen war zu der Zeit ein Teil der Nationalerziehung. Deswegen hatte der Turnverein in seiner damaligen Satzung auch die Formulierung; „.....dass man den Mitgliedern Gelegenheit und Anleitung zu geregelten Turnübungen, als Mittel zur körperlichen und sittlichen Kräftigung, sowie zur Pflege des deutschen Volksbewusstseins zu geben hat. Auch das Betragen eines jeden Turners, sei in jeder Beziehung ein anständiges...."

Und wer kennt sie nicht, die vier „F" aus der Turnbewegung. Sie bedeuten folgendes:

  • Frisch ans Werk
  • Fromm im Glauben an die Gemeinnützigkeit und Wertebeständigkeit des Schaffens
  • Fröhlich untereinander
  • Frei und offen in allem Handeln

Die Turnbewegung traf sich regelmäßig zu ihren Turnstunden. Auch die Rieder Turner turnten regelmäßig in einheitlicher weißer Kleidung auf dem Saal der Gaststätte „Randermann", bis sie dann in Scholvins neuen Saal umzogen.

Ich kann mich noch an meine Kindheit auf Scholvins Saal erinnern, als ich Herrmann Iden und Hermann Nullmeyer in schneeweißen Turnanzügen, über die Turngeräte fliegen sah. Zur damaligen Zeit waren wir Kinder als Läufer eingesetzt, um die Wertungszettel der Wettkampfrichter zur Wettkampfleitung zu bringen.

Ein klassischer Sportverein wird charakteristisch von fünf wesentlichen Merkmalen geprägt. Das sind:

  1. Gemeinnützigkeit
    Sie befreit die Sportvereine, im Rahmen der durch die Vereinssatzung festgelegten ideellen Zwecke, prinzipiell von der Steuerpflicht.
  2. Ehrenamtlichkeit
    Sportvereine werden im Prinzip ehrenamtlich geführt.
  3. Solidargemeinschaft
    Vereine verstehen sich als eine Vereinigung von Menschen, deren Mitglieder untereinander  Solidarität zeigen, d.h. die Bereitschaft zum „Wir", im Sinne des Füreinander-Eintretens.
  4. Soziale Verantwortung
    Sportvereine sollten für jedermann, unabhängig von Geschlecht, Nationalität oder sozialer Schicht, offen sein.
  5. Pädagogische Verantwortung
    Vereine haben vor allem im Blick auf Kinder und Jugendliche und hier insbesondere in Training und Wettkampf eine wichtige und bedeutende erzieherische Funktion.

Diese wesentlichen Merkmale treffen auch noch heute auf die Sportvereine zu.

Siegfried Hoffmann